That is all not so easy oder: Ein Abendgruß nach Rudolfsheim-Fünfhaus.

Wie sich doch manches im Leben wiederholt…

Als ich vor fünf Jahren Anfang September zum ersten Mal auf Gotland war, hatte der Gatte exakt zu dieser Zeit einen (berufslebens-)wichtigen Termin.
Diesmal schon wieder sowas in der Art, nur nicht so existenziell.
Es muss also entweder an Gotland, am September oder an meiner Abwesenheit liegen, dass das jetzt glatt nochmal so gekommen ist.

Wie dem auch sei: Das Dackelfräulein und ich drücken dir, lieber Gatte, die Pfoten und Daumen für morgen, senden dir die allerbesten Wünsche für eine geruhsame Nacht in den 15. Wiener Bezirk und schicken als leiwandes Betthupferl sowie zur allgemeinen Erbauung und Kräftigung des Geistes einen kleinen Vortrag mit, den unser über alles geschätzter Landsmann einst unter großem Applaus im Ausland hielt:

Don’t forget: however it runs tomorrow – in two days at this time you will be already over all mountains!!!
And till then say to you that you have pulled yourself a leg out for that fucking appointment and that’s really all that can be done. If the Austrians don’t know to worthtreasure it they have not deserved you anyway and should look for their Jack of all trades another year or two.
But you could show them the cold shoulder then and enjoy your life in full trains again.

Heartly greetings –
Your wife & your dog.

(I write those dog-greetings in substitution because the dog herself has no time as you can see below.)

Västra Gotlands bästa sandstrand: Tofta.

Nachsaisonidylle.

Tag 13.
Ganztags grauer Himmel, zwischendurch sogar ein bisschen Sprühregen. Schon gar nicht mehr gewusst, wie sich das im Gesicht anfühlt: Regen. Dafür erstmals seit Ankunft auf der Insel windstill. Dabei ist das jetzt eh wurscht, seit ich auf Farö diese türkise Beanie gekauft habe.

Beim Bergman-Museum. Im Fenster sehen die Bloggerin und ihre Beanie.

Wir laufen von Gnisvärd nach Västergarn, knapp zwei Stunden, immer am Strand entlang. Das Hundefräulein ist in Bestform, denn Sandstrand ist mega und all der Unrat, der in den Seetangteppich eingewoben ist, ist megamega.

Ich gucke ihr zu, mit welcher Energie und Begeisterung sie einen Fetzen Strandmatte aus dem Seetang zerrt und den Fund danach in die Luft wirft und sich drauf wälzt („Meins, meins!“) und aus den Augenwinkeln genau registriert, dass ich sie beobachte und dann an Artistik und Clownerie noch eine Schippe drauflegt.

Was für ein herzerfrischendes Lebewesen, dieser kleine Hund. Und was für eine treue Gefährtin – unglaublich, wie gut sie diese ganze Reise mit all den vielen Ortswechseln mitmacht (heute Morgen beim Abrubbeln nach dem Morgengassi das erste weiße Härchen auf ihrem schwarzen Dackelohr entdeckt und kurz schlucken müssen: sowas erinnert immer daran, dass bereits „Halbzeit“ sein könnte und ich will an diese Zeit niemals nicht erinnert werden).

Auf dem Rückweg dann Einkehr in Tofta. Das einzig offene Lokal weit und breit. Noch vom Strand aus angerufen und nachgefragt wegen des little well-behaved dachshund. Ist ok, heißt es. Und: Ja, es gibt warmes Essen. Nach einem Tag Selbstverpflegung in der Hüttenküche auch wieder schön.

Stängt! – wie fast alles hier.

Bekommt der Dachshund im Lokal sogar eine Decke und einen Wassernapf serviert und wird vom Hippiewirt mit Dreads und Flipflops (erwartet man irgendwie auch nicht im Restaurant eines 3-Sterne-Superior-Hotels, erklärt aber evtl. das OK zum Hund unterm Tisch) gefragt, wie er denn hieße und ich antworte: Sie heißt Pippa. Ha! Und da ist es wieder, dieses unverhohlene Grinsen!

Meine Empfehlung für Sie: If you’re female, travel through Sweden with a dog called Pippa – it’s awesome ‚cause you’re gonne have lots of fun & amusing acquaintances!

Weiße Kirche, schwarze Schafe, grauer Himmel – Gotland hat auch an tristen Tagen seinen Reiz, wenn man das Schlichte und Pure mag.