Rauke und Rabauke.

Helgumannen. Fischerdorf auf Fårö.

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Ohne Wecker in den Tag gestartet, Morgenstrandlauf mit Kormorangeplärr, drei Highlights von Fårö besichtigt, bereits unterwegs viel Schönes gesehen, endlich wieder ein Tag ganz im eigenen Rhythmus und ohne viel Gesellschaft, tolles Spätsommerwetter, viele Fotos für die Reportage gemacht, Objektivkappe irgendwo am Strand verloren, eine dünne Mütze gegen die permanenten Haarverwehungen erstanden, für schwedische Verhältnisse passabel gegessen, überall wenig bis gar nichts los, gutes Gespräch mit einem Paar aus der Schweiz, ärgerliche Unterredung mit einer Bedienung im Abendlokal, eine Ladung Wäsche waschen können und im Inselwind getrocknet, auf der Gartenbank sitzend den morgigen Tag geplant, dem Dackelfräulein beim Mit-einem-kaputten-Fußball-durch-das-Gelände-Sausen zugeschaut.
Große Ruhe und Zufriedenheit halten Einzug. Erst war ich reif für die Insel und nun ist die Insel reif für mich.

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Es ist eine karge, raue Natur auf Fårö. An der westlichen Küste blenden einen der Kalkstein und die turmhohen Raukar, an der östlichen Sudersands kilometerlanger, weißer Sandstrand. Im Inselinneren ducken sich Wacholderbüsche in den steinigen, teils hügeligen Boden und spenden auch keinen nennenswerten Schatten.

Das Wettergegerbte und Reduzierte wirft einen ganz aufs Wesentliche zurück: Gehen, Atmen, Schauen, Innehalten.
Das Bullerbü-Schweden Skånes ist sehr weit weg. Die Häuschen tendieren farblich zu ocker bis graubraun, nur selten mal ein rot-weißes oder weiß-blaues. Dazwischen alte Windmühlen auf vertrockneten Wiesen mit vertrockneten Schafskötteln. Überall die typisch gotländischen Steinmauern, von Hand aufgeschichtet und nahezu unverwüstlich, limestone – all over Gotland, und diese altertümlichen Holzzäune, ebenfalls inselweit zu sehen.

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Wanderung zu den Raukar bei Langhammars an der Westküste.

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Die Fauna hält sich auch eher zurück. Man sieht überwiegend Schafe, Pferde, Vögel und Kaninchen. An den sonnenbeschienenen Hauswänden krabbeln zahlreiche Körkmackar, wie auch immer die auf deutsch heißen. Mir sagte man nur: das sei jetzt die Zeit, in der sie sich auf den Weg in die Häuser machen. Was ich bestätigen kann, denn auch bei mir logieren ca. 30 Körkmackar, eher mehr. Seltsamerweise stören sie mich nicht, wahrscheinlich weil sie nicht surren, nicht stechen, nicht schmutzen, nicht gruselig aussehen, beim Krabbeln keine klackernden Geräusche machen und des nachts scheinen sie genau wie das Fräulein und ich tief und fest zu schlafen.

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Was für ein Etikett! (Vom übrigen Lokalbesuch soll lieber nicht die Rede sein.)

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9 Gedanken zu „Rauke und Rabauke.

  1. Kurz vorm Schlafengehen noch ein paar winkende Grüße zu Dir…
    Das Foto der Häuser-/Katenreihe inspiriert mich. Vielleicht gibt es sie mal in Ton… und:
    die Einohrdackeldame entzückt mich! Hatte sie solchen Seitenwind? Oder hast Du mit ihr schwedisch den morgigen Tag besprochen?

    Gefällt 2 Personen

    • Falls es sie je in Ton geben sollte: nenn sie bitte Helgufrauen, ok?
      Der Einohrdackel entzückte mich auch, zumal es auf allen anderen Bildern der Serie ein Keinohrdackel war (beide umgeklappt vor lauter Wind). Überhaupt ist hier manches fotografisch nicht so ganz leicht wegen des Windes…
      Gute Nacht aus meiner Käferkajüte!

      Gefällt 1 Person

  2. körckmakar!
    nein. falsch!
    körkmackar!
    und die sind echt nicht gruselig?
    und es gibt sie nicht in bayern, die korkmacker?
    sehr interessant …
    … überhaupt: interessant und eine freude, hier mitzureisen!
    bis morgen, gut nacht! 🙂

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