Auf der Schafinsel.

Die Insel Fårö ist weit mehr als Ingmar Bergman, Raukar und Strände. Wie ihr Name schon sagt, ist sie eine Schafinsel (Får = Schaf / Ö = Insel).

Nirgends sonst ist das Gotlandschaf so sehr zuhause wie hier.

Nach etlichen Programmpunkten am Vormittag – wir fuhren nach Zwischenstopps bei diversen Sehenswürdigkeiten im Norden von Visby kurz auf eine Fika bei Linda vorbei, die heute im Homeoffice statt in Visby arbeitete (grandioses Wohnhaus: ein ehemaliges Bahnhofsstationsgebäude!) und anschließend noch zu einer Freundin von Wenche, die direkt an der Blå Lagunen wohnt und durch deren Gärten wir einen schöneren Zugang zur Lagune hatten (deren zwei Beagel-Rüden stürzten sich voller Interesse auf Pippa, die ihrerseits nur an den ca. 7 Bällen im Garten interessiert war) – trafen wir am späten Mittag in Fårösund ein, wo wir in einem lauschigen Café zum Lunch einkehrten. Anschließend setzten wir mit einer kleinen Autofähre in knapp 10 Minuten über auf die Insel Fårö.

Und dann ging einer meiner Wünsche in Erfüllung: der Besuch einer Gotlandschaffarm. Ursprünglich gab es diese Schafrasse nur auf Gotland und Fårö, mittlerweile wird sie auch andernorts gezüchtet. Diese schwarz-grauen Genossen hatten es mir schon vor fünf Jahren sofort angetan. Je älter sie werden, desto mehr wechselt ihre Fellfarbe von Grau zu Schwarz. Sie sind sehr robust, gelten als recht zutraulich, können aber durchaus zu etwas plötzlichen und heftigen Sprüngen ansetzen – Wenche war das (obwohl sie eine waschechte Gotländerin ist) nicht so geheuer, so dass ich sie ein wenig ermuntern musste, die Schafe zu berühren.

Und das Ganze war keine Streichelzoonummer – nein, die Kleinen wollten gern geknuddelt werden! Sie sind nämlich erst sechs Monate alt, mögen Menschen und als wir die Weide betraten, rannten uns die meisten von ihnen sehr interessiert und laut blökend entgegen.

Es gibt für mich wenig Erbaulicheres als den Kontakt zu Tieren und ich hätte Stunden mit diesen Schafen verbringen können. Das gelockte Fell fühlt sich herrlich an, noch wunderbarer aber sind die schwarzen Köpfe und Ohren. Und die dunkelbraunen Augen, von langen, geschwungenen Wimpern umgeben, gucken einen so unglaublich direkt an, dass man sofort eine Verbindung fühlt.

Wenche mahnte irgendwann zum Aufbruch, da die Inhaberin der Stora Gåsemora, meiner Bleibe für die nächsten beiden Tage, nur zwischen 15 und 16 Uhr vor Ort sein würde, um mir den Schlüssel auszuhändigen.

Gestern spuckte ich noch große Töne und wähnte mich heute Abend allein in einer Hütte am Strand, aber als wir das riesige Gelände betraten und Birgitta, die Chefin, uns überall herumführte, begriff ich erst, wie einsam und weitläufig das hier alles ist und mich verließ ein klein wenig der Mut.

Zur Auswahl stand zum einen diese klitzekleine, uralte Mühle…

…die ich äußerst charmant fand, nur liegt sie so weit weg von allen anderen Gebäuden und hat keinerlei Beleuchtung drumrum und in ihrem Inneren eine schmale, steile Leiter hinauf in die Schlafkoje, was schon allein nicht so einfach wäre, dort hochzukraxeln, aber mit 7kg Dackel unterm Arm wirklich nicht ganz ungefährlich ist – also schied die Mühle aus.

Zum anderen hätte ich besagte Strandhütte wählen können, die Sie auf diesem Bild hier sehen (am besten großzoomen)…

…die war aber gleich noch weiter ab vom Schuss als die kleine Mühle und ich hätte gar nicht gewusst, wie ich meine vier Kisten voller Zeug dort hätte hinschleppen sollen, da es nur einen langen, steinigen Pfad gibt, der zu der Hütte am Meer hinunterführt.

Aber ich gebe gern zu, dass es nicht die praktischen Gründe waren, die mich von diesen beiden Stugas abhielten, sondern definitiv deren Alleinlage (habe diesen Begriff erst heute vollumfänglich begriffen).

Also entschied ich mich für eines der anderen Häuser auf der Farm, in dem ich ein ebenerdiges Zimmer samt Bad und Küche beziehen konnte.
Keine Treppen, gefühlt wenigstens ein paar Nachbarn, wenn’s auch nur Islandpferde sind, drumherum zumindest der eingebildete Schutz durch andere Gebäude und etwas entfernt die Stallungen, in denen ab und an mal ein Mensch vorbeischaut.

Ich bin sehr zufrieden mit meiner Wahl. Sogar das Signal des WLAN-Routers vom Hauptgebäude reicht gerade noch hinüber in mein Häuschen. Sonst könnte ich Ihnen das ja gar nicht zeigen und auch die Öffnungszeiten des einzigen auf Fårö noch geöffneten Cafés nicht nachgucken.

Wenn Sie Lust haben, kommen Sie doch gern morgen Abend hier vorbei. Die Fähre ist kostenlos, auf meiner Terrasse ist genug Platz für 20 Personen und die Aussicht ist wirklich fantastisch.
Bringen Sie aber bitte Ihre eigenen Getränke mit, Sie wissen ja, das alkoholische Zeug ist teuer in Schweden und ich hab heute schon wieder zwei Flaschen Weißbier verschenkt, so dass ich mit meinem Vorrat allmählich etwas haushalten muss.

Und sollte uns der Gesprächsstoff ausgehen, ist das auch nicht weiter schlimm: die Stille, die man hören kann, wenn das Meer grad nicht zu laut rauscht, ist atemberaubend.

Immer und überall suche ich einen schönen Platz für das Hundekörbchen aus – aber das ist komplett für Katz!

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7 Gedanken zu „Auf der Schafinsel.

  1. Du fühlst Dich sichtlich wohl unter schwarzen Schafen … aber für ein solches Prädikat war ich mein Leben lang viel zu brav … ;o)

    Weiterhin schönen Aufenthalt Euch beiden!
    Spike

    Gefällt 1 Person

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